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  • martinalbrecht

Lernlust

Aktualisiert: 28. Nov 2018


Ich bin neulich auf ein Interview im KURIER mit Gerald Hüther gestoßen, daraus ein kurzer Auszug:


KURIER:

Es gibt doch auch die Form des Lernens, die einem – zumindest zeitweise – nicht so große Lust macht, weil man sich eben ein bestimmtes Wissen ganz traditionell aneignen muss?


Hüther:

Das erscheint uns nur so, weil wir alle nichts anderes kennen. Aber das ist eine Vorstellung aus dem vorigen Jahrhundert. In Wirklichkeit ist es so, dass sich Menschen mit einer unglaublichen Beharrlichkeit neue Inhalte aneignen, wenn sie wissen, warum. Ein Fünfjähriger kann möglicherweise sämtliche lateinische Dinosaurier-Namen, obwohl er noch gar nicht richtig lesen kann. Stellen Sie sich einmal vor, Sie müssten das lernen. Oder ein älterer Schüler, der sich für Sonnenkollektoren interessiert und auch selbst einen solchen gebaut hat: Müssen Sie den antreiben? Das heißt: Die Vorstellung, dass man Kinder immer nur antreiben und andrücken muss, damit sie eine Leistung erbringen, die stimmt nicht. Allerdings führt sie dazu, dass zwei Jahre nach Schulabschluss weniger als zehn Prozent von dem übrig ist, was in den Jahren davor in die Kinder hineingetrichtert worden ist. Das Schlimmste, was die Schule im 21. Jahrhundert anrichten kann, ist, einem jungen Menschen die Lust am Lernen zu vermiesen.


Dazu abschließend noch ein Gedanke von Manfred Spitzer:


Immer wieder wird die Frage gestellt, wie man es denn schaffe, Motivation zu erzeugen. ... Menschen sind von Natur aus motiviert, sie können gar nicht anders, denn sie haben ein äußerst effektives System hierfür im Gehirn eingebaut. Hätten wir dieses System nicht, dann hätten wir gar nicht überlebt. ... Geht man den Gründen für die Frage zur Motivationserzeugung nach, so stellt sich heraus, dass es letztlich um Probleme geht, die jemand damit hat, dass ein anderer nicht das tun will, was er selbst will, dass es der andere tut.



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