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Störenfriede



Remo Largo, Schweizer Kinderarzt, Leiter der Zürcher Langzeitstudien zur kindlichen Entwicklung, Sachbuchautor

„Je mehr man die Kinder in ihrem Bewegungsdrang einschränkt, umso größer werden die Probleme. Das kann man mit Ritalin bekämpfen, ob das sinnvoll ist, muss ich sehr bezweifeln. Die andere Möglichkeit wäre, den Kindern den Freiraum zu geben, dass sie sich ausreichend bewegen können. Dazu sind wir eigentlich nicht bereit. Einerseits bauen wir Wohnsiedlungen, wo die Kinder sich zu wenig und kaum unbeaufsichtigt bewegen können, andererseits sperren wir sie in Wohnungen und Zimmer ein. Die Kinder randalieren und sind erzieherisch mühsam, und dann wundern wir uns. Man kann auch die Frage stellen, weshalb die Kinder überhaupt so aktiv sind? Die Antwort lautet: Die brauchen das, um für ihre Motorik und auch die übrige Entwicklung die notwendigen Erfahrungen machen zu können. Die Natur hat die Kinder so ausgestattet, dass sie sich bewegen wollen, damit sie die entsprechenden Erfahrungen machen können. Mir ist aufgefallen, wenn man mit Kindern in den Wald geht, wird ihnen nie langweilig. Warum eigentlich? Bis vor etwa 200 Jahren sind die Kinder im Freien aufgewachsen, und auch die Erwachsenen hatten sich überwiegend im Freien aufgehalten. Das hat verhaltensbiologische Folgen: Wir haben uns darauf eingestellt. Die Menschheit ist in der Natur alt geworden und nicht in einem Raum. Das läuft natürlich weiter. Wenn wir die Menschen – und vor allem die Kinder – einsperren, dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir dadurch Probleme bekommen.".

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